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Zwischen den Jahren in Namibia und das Leben im Viertel

Mein Lieblingsplatz im Schatten

Nach dem Ausflug in die Wüste Namib war erstmal relaxen angesagt. Es mussten auch der Rucksack, der Koffer und jedes Beutelchen von Sand, und vor allem Staub, befreit werden. Jede noch so kleine Ritze sitzt voll Staub, Rucksack und Koffer sind einheitlich dunkelgrau. Wenn man sie anfasst bekommt man schmutzige Finger. Auch waschen war angesagt.

Kuhanga Villa, meine erste Unterkunft

Mal eine etwas sarkastische Exkursion zum Wohnen. Vorsicht! Kann Spuren von Ironie enthalten. 😉

Ich hatte mir eine sehr preiswerte Unterkunft gesucht. Kostet etwa 20€/Tag. Das geht nur im sog. Schwarzenviertel. Das fand ich auch ganz gut. Ich wollte nicht nur die Sehenswürdigkeiten sehen, sondern auch das normale Leben. Ich gehe ja auch jeden Tag einkaufen, und ich laufe täglich mehrmals durch das Viertel. Hier wächst gerade das Viertel der Mittelschicht in das der einfachen Leute hinein. Jeder grüßt mich mittlerweile mit Hello Germany! Mit den kleinen Kindern mache ich immer Blödsinn und halte dabei ein Pläuschchen mit den Müttern über das Hauptthema: wie fandest du den letzten Regen. Nice, isn’t it? Oder war der zu schwach, oder zu stark? Ein nie endenwollendes Thema zu Beginn der Regenzeit.

Kleine Kirche, links vom Ausgang Kuhanga Villa

Vor der Kuhanga Villa ist ein freier Platz.Wenn ich aus dem Tor der Kuhanga Villa nach links schaue,ist dort die kleine Kirche. Dahinter ist noch eine große Kirche. Regelmäßig hört man die mehrstimmigen melodischen Gesänge der Gemeinde. Schön!

Kuhanga Self Help und Bar

Gegenüber ist der Selbstbedienungsladen. Extrem einfach gestaltet. In etwa so groß wie eine Doppelgarage. Ein vergittertes Loch in der Wand ersetzt die Fenster. Es ist extrem duster. Man kann Lebensmittel, aber auch Prepaidkarten für Telefon und  Strom kaufen. Der Strom muss hier vorher bezahlt werden. 

Neben dem Laden ist die Bar. Auch hier hört man regelmäßig Gesänge. Aber meist sind die Sängerinnen und Sänger betrunken. Die Musik ist aber so laut, dass man das Singen kaum hört. Ab Sonnenuntergang habe ich die Musik in guter Zimmerlautstärke in meinem Zimmer.

Auf dem Platz stehen auch oft ein paar Pickups. Die sind hier serienmäßig als rollende Disco ausgestattet. Die Bewohner des Viertels stellen sie vor ihre Grundstücke und drehen die Musik bis zum Anschlag auf. Denn es ist so heiß, dass die Leute ab 18 Uhr vor ihren Häusern sitzen, und den Rest des Tages lautstark außen verleben. Die Häuser kühlen ja langsamer ab als die Luft. Oder sie machen das eben auf dem zentralen Platz vor der Disco, bzw vor meiner Unterkunft.

Dann ist da noch der Trafo. Er versorgt den Stadtteil mit Strom. Er ist etwas rechts von mir. Zusammen mit einem kleinen Bäumchen spendet er Schatten. Da sitzen den ganzen Tag immer einige Männer und trinken ihr Bier, und krakelen lautstark. Schließlich hat ja der recht, der am lautesten schreit. Dabei haben sie oft ein gemütliches Feuerchen aus Plastikflaschen und Knochen an. Beides fliegt zu Hauf in der Gegend rum.

Das ist ein echtes Mysterium. Nicht die Plastikflaschen, die Knochen. Es liegen überall Knochen auf der Straße. Die allgegenwärtigen Hunde nagen dran. Da sind aber auch ganze Schädel von Hunden, Affen und anderen kleineren Tieren. An einem Morgen bin ich fast über einen Schädel eines Pferdes oder Esels gefahren. Der war kaum abgenagt. Ich habe auch Knochen gefunden, so lang wie mein Oberschenkel und mindestens 6cm Durchmesser. Ballermänner! Jedenfalls lässt sich das gut verbrennen, wenn die Hunde und das Kleingetier damit fertig ist. Es gibt dem ganzen Viertel eine würzige Note. Irgendwie müssen die Leute hinter ihren Häusern selbst schlachten, oder sie holen sich die Tiere von einem Schlachtbetrieb und zerlegen sie selbst. Der Betrieb ist nur ein paar hundert Meter entfernt.

Straße rechts von Kuhanga Villa

Jetzt kommt mein Lieblingsnachbar, rechts von mir, drei Häuser entfernt in zweiter Reihe. Er hat sein Haus mit Wellblechwänden vergrößert. Darin ist der Raum für die Gemeinde einer der zahlreichen kleinen Sekten. Eigentlich sehr ärmlich. Er hat aber natürlich nicht am Wichtigsten gespart. Das ist die Musikanlage. Es muss ein Monsterteil sein! Er dreht die Anlage bis zum absoluten Anschlag auf.

Da kommt aber nur am Anfang Musik raus. Wenn alle sitzen wird ein Lied gesungen, und dann geht die Post ab! Die Stimme des Sprechers wird elektronisch extrem verzerrt, mit ständig wechselnden Filtern. Er brüllt dann bis zu zwei Stunden auf seine Gemeinde ein. Immer im Stakkato, mit rasender Geschwindigkeit. Die Frauen und Kinder schreien in höchster Panik zurück. Heftig! Er vertreibt scheinbar den Teufel mit diesem irrsinnigen Spektakel. Ich habe das in gut doppelter Zimmetlautstärke in meinem Zimmer. Wir erinnern uns aber an die Bar, die Pickups, die Trinker, die Menschen auf der Straße und in ihren Gärten, die sich  unter querbeet unterhalten. Die sind auch alle noch am lärmen/leben. Also alles zusammen: Hier tobt das pralle Leben.

Ob der verstörte Nachbar rechts den Teufel vertrieben hat kann ich nicht sagen. Bei mir hat er es geschafft. Ich bin gestern umgezogen an den Stadtrand. Hier geht die Stadt ins Buschland über, es ist beängstigend ruhig. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen. 😉

Eigentlich habe ich in der Kuhanga Villa sehr gerne gewohnt. Die Wirtin ist nett, die Mitarbeiter auch. Ich war schnell an allen wichtigen Plätzen des Ortes Otjiwarongo. Der Umwandlungsprozess des Ortes ist ja auch im Gange, das wird sicher noch alles ein bischen ruhiger  werden. Sollte ich mal wieder für ein paar Tage in Otjiwarongo sein, werde ich sicher wieder mal dort reinschauen.

Meine neue Unterkunft, Mo-nize Villa, sehr ruhig

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