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Ausflug zum Telecom-Hill

Sicher heißt dieser Berg nicht so, aber meine Zimmerwirtin kennt nur den Namen. Auch die Straße, die dorthinführt, heißt Telecom Road. Der Name erschließt sich aus der Ansicht. Oben drauf steht ein großer Sendemast mit etlichen Antennen.

Telecom-Station

Aber wie kommt man hin? Natürlich habe ich eine Karte und auch Google-Maps und Osmand+. Aber alle wissen nicht, ob auf den Wegen Zäune sind, oder Hecken aus vertrockneter Akazie. Da ist absolut kein Durchkommen. Die Stacheln sind ein paar Zentimeter lang und durchstechen ohne Probleme die Sohlen meiner Trecking-Sandalen. Die Zäune sind wirklich ärgerlich. Maximal 10 m neben den Straßen stehen überall Zäune. Einfach loswandern? Is nich!

Und dann, was erwartet mich unterwegs. Der Weg geht an den Slums vorbei, siehe Bericht von gestern, dann an ein paar vereinzelten Bechhütten und Folienhütten vorbei. Die Alternative lautet, immer an der Hauptstraße lang. Wandern ist hier komplett anders als in Deutschland!

Ich bin also auf Verdacht erstmal losgelaufen. Wenn der Weg zu ist kehre ich um. Ich bin meist etwa 1km von der Hauptstraße weg, da findet sich immer irgendwie ein Weg.

Erst wieder den Weg von gestern, vorbei an der Grillhütte, wo der arme Mensch über den Brotrest hergefallen ist. Dann am Ortsende geradeaus in die Pampa. Diese Pampa ist ein Buschland. Die Büsche sind meist Akazien. Schreckliche Dinger. Sie gehen sofort durch alle Klamotten und die Haut. Mega hart und mega spitz.

Hier gehts es ab in die “Pampa”

Durch diese Pampa führen etliche Wege in Richtung Telecom-Hill. Zuerst wie immer die üblichen Müllberge. Auch die Baureste der kleinen bunten neuen Häuser liegen hier. Eifrig durchforstet auf brauchbare Reste und dabei gut verteilt im Gelände. Auch ein paar Hundekadaver , mal ein Affenschädel, mal dicke Knochen.

Neubausiedlung mit bunten Häusern

Dann wird es langsam einsamer und sauberer. Links von mir die bunte Neubausiedlung. Vielleicht 500m entfernt. Ich höre aber die hämmernde Musik, die der Wind rüberbläst. Vereinzelt herrliche Blumen. Dann mal ein paar Hirten mit ihren Ziegen und ein paar klapprigen Rindern. An den Wegkreuzungen hohe, ausladende Bäume, die Schatten spenden. Auf dem Rückweg liegen hier die Hirten im Schatten. Denn ansonsten gibt es in der ganzen Pampa keinen Schatten. Unter die Stechbüsche kann man sich nicht legen.

Blumen nach dem Regen

Immer wieder Büsche, in denen die Zirkaden sitzen. Die machen einen unbeschreiblichen Lärm. Es sind kleine Tierchen, aber der Lärm ist brutal. Tinitus mit 100 dB. Oft auch schöne bunte Vögel in der Größe eines Stares. Sie machen abseitige Geräusche. Einer hört sich an wie ein übersteuerter Syntheseiser.

Ab und zu mal ein frisch gepflügter Acker. Es hat die letzten Tage ein paarmal abends gewittert und stark geregnet. Seit Monaten das erste Mal. Die Pampa ergrünt also, und die Kleinbauern versuchen eine Aussaht. Immer wieder sehe ich unterwegs einzelne Menschen die irgendwas sammeln, oder Akazienbüsche roden. Da entsteht dann Weideland, denn die Kühe und Ziegen finden nichts unter den Akazien die alles gnadenlos zuwuchern. Dornröschenhecken überall.

Dabei kommt der Berg immer näher. Die Zimmerwirtin sagte, er sei 250m hoch. Ich schätze aber mal, das ist nur die Hälfte. Da aber die Ebene, durch die ich laufe, schon 1600m hoch ist, ersteige ich heute als fast einen 2000er. 😉

Der Berg, oder besser Hügel, ist nicht mehr weit

Am Berg angekommen geht es völlig unspektakulär eine geribbelte Betonstraße hoch. Oben angekommen der Turm. Der interessiert vielleicht Leute wie mich, die Elektromeister sind. Ansonsten absolut nichtssagend.

Ganz im Gegenteil zur Aussicht. Ich schätze die Sichweite mal auf mindestens 50km. Der Blick verliert sich in der unendlichen Pampa. Ab und zu ein paar völlig verwitterte Bergkegel, sonst nur grünes Buschland. Straßen sieht man auf dutzende Kilometer vom Berge leuchte. Die gelben Linien im grünen Buschland sind nicht zu übersehen.

Aussichtvom Telecom-Hill
Hier geht es steil bergauf

Nach einer Pause mache ich mich zügig auf den Rückweg. Am Himmel ziehen schwarze Wolken auf, und die nächsten 7km bieten keinen Unterschlupf. Einen tropischen Wolkenbruch und Gewitter möchte ich nicht unbedingt ungeschätzt in der Pampa erleben.

Es geht aber alles gut. Ich komme “zu Hause” an, kurz bevor der Regen losgeht.

Und weil du so lange ausgehalten hast, noch ein paar Bilder. 🙂

Verwitterte Ameisenhügel

Tausendfüßler so groß wie mein Fuß

 

Tausendfüßler aus der Nähe

Und jetzt noch das schönste Bild von heute. Ein blühender Busch, ich glaube Akazie.

Mitten in der Pampa der Halbwüste nach dem Regen

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